Ernährung bei Multiple Sklerose

Ernährungsempfehlungen und Multiple Sklerose

Bei vielen Erkrankungen gibt es meist auch spezielle Diäten oder Ernährungsformen. Hast du dich schon mal gefragt ob es auch eine spezielle Ernährung bei Multiple Sklerose (kurz MS) gibt? Dann möchte ich dir gerne mit folgendem Beitrag einen kleine Einbick dazu geben.

Was ist MS?

Die Erkrankung Multiple Sklerose ist eine chronisch verlaufende Autoimmunerkrankung des Zentralnervensystems. Es ist eine Erkrankung, bei der ursächlich Entzündungsprozesse im Vordergrund stehen. Zellen des Nervensystems werden durch körpereigene Abwehrsysteme angegriffen und anschließend zerstört. An diesen im Nervensystem angegriffenen Stellen – so genannte Entzündungsherde – entstehen im Anschluss Vernarbungen, welche entsprechende Funktionsstörungen mit sich ziehen können. Dieses Auftreten von aktiven Entzündungen im Organismus nennt man „Schub“. Diese Schübe treten je nach Krankheitsverlauf in unterschiedlichen Intensitäten und Häufigkeiten auf. Bleibende Störungen sind möglich, aber können sich auch gänzlich wieder rückbilden.

Daher wird Multiple Sklerose auch als die Krankheit mit den „tausend Gesichter“ genannt. Weil sie sich so vielseitig und unterschiedlich bei Betroffenen äußern kann. Während die einen keine Symptome oder merkliche Einschränkungen haben, kann es andere je nach Schubhäufigkeit und Schweregrad der Erkrankung auch stärker betreffen. Je nachdem welche oder wie viele Nerven geschädigt wurden können sich zB. Verdauungsbeschwerden oder auch Schluckstörungen entwickeln. Diese gilt es dann ernährungstherapeutisch zu unterstützen.

Zum aktuellen Wissensstand ist Multiple Sklerose nicht heilbar, aber es lässt sich gut therapieren und hat keinen Einfluss auf die Lebenserwartung.

Gibt es eine spezielle MS-Diät?

Für Menschen mit MS ist es besonders wichtig, auf die Gesundheit und die Bedürfnisse ihres Körpers zu achten. Eine ausgewogene und speziell auf die Krankheit ausgerichtete Ernährung könnte hier sehr nützlich sein. Nun gibt es zwar keine spezielle „Multiple Sklerose Diät“, trotzdem sollte ein Multiple Sklerose Patient seine Ernährung bewusst wählen.

Bei Multipler Sklerose führen Entzündungsprozesse zu Schädigungen von Nervenzellen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit auf eine Kostform zu achten, die auf die Vermeidung von Entzündungen im Körper eingeht. Oft findet sich hierzu auch der Begriff der „Anti-entzündlichen Ernährung“. Im Fokus steht eine Ernährungsweise, mit positivem Einfluss auf Entzündungs- und Immunprozesse im Organismus.

Der Fokus in diesem Artikel liegt auf der Bedeutung von Fettsäuren in der Ernährung bei MS.

Welchen Einfluss haben Nahrungsfette auf den Krankheitsverlauf?

Gerade Nahrungsfette und deren Zusammenhang auf Entzündungsprozesse sind ein bereits klar erforschter Tatbestand. Eine wesentliche Rolle spielt hierbei Arachidonsäure, eine in tierischen Fetten vorkommende Fettsäure. Sie hat eine entzündungsfördernde Wirkung im Organismus.

Bei den Nahrungsfetten unterscheiden wir zwischen gesättigten, einfach ungesättigten und mehrfach-ungesättigten Fettsäuren. Erstere finden sich vor allem in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Wurst, Milchprodukte, Eier. Die mehrfach-ungesättigten Fettsäuren stehen bei MS im Vordergrund. Wobei hier vor allem die mehrfach-ungesättigten Fettsäuren entzündungshemmenden Einfluss haben.
Man unterteilt die mehrfach ungesättigten Fettsäuren in die Omega-6-Fettsäuren (wie Linolsäure und Arachidonsäure) und Omega-3-Fettsäuren (Alpha-Linolensäure, Eicosapentaensäure, Docosahexaensäure). Durch die Arachidonsäure erhält der Körper Bausteine für Hormone, welche die Immunabwehr (über)aktivieren. Dadurch werden entzündungsfördernde Stoffe gebildet.

Der Körper kann Arachidonsäure aber nicht nur aus tierischen Mahlzeiten aufnehmen, sondern auch selbst aus Linolsäure herstellen. Linolsäure ist aber eine sogenannte essentielle Fettsäure: Der Körper kann sie nicht selbst produzieren und muss sie aus der Nahrung aufnehmen. Linolsäure ist in pflanzlichen Lebensmitteln wie zum Beispiel Sonnenblumenöl und Walnüssen, aber auch in Fleisch und Milchprodukten enthalten. Da sie essentiell ist soll sie auch weiterhin in der Ernährung vorkommen. Denn sie wandelt sich nur nach Bedarf in Arachidonsäure um.  Das Pendant dafür, sozusagen der Ausschalter dieser Prozesse, liefern die Omega-3-Fettsäuren. Denn diese hemmen die Umwandlung von Arachidonsäure in entzündungsfördernde Stoffe.

Zum Problem werden die Fettsäuren erst dann, wenn eine zu große Aufnahme an Arachidonsäure und Linolsäure besteht und kein Ausgleich mit anderen pflanzlichen deaktivierenden Fettsäuren (wie Omega3) stattfindet. Solange der Körper also nur nach Bedarf Arachidonsäure aus Linolsäure umwandelt und die durch tierische Produkte zugeführte Arachidonsäure niedrig gehalten wird, kann der Körper gut damit umgehen. Denn reduziert man die Zufuhr an Arachidonsäure kommt es zu einer geringeren Bildung von Entzündungsstoffen.

Es gilt tierische Fette aus der Ernährung bei MS zu minimieren und zugunsten pflanzlicher Fette und Öle ersetzen. Somit ergibt sich daraus die Empfehlung einer lakto-vegetarischen Ernährungsform.

Milch und Milchprodukte sollten dabei täglich auf dem Speiseplan von MS-Patienten stehen, da sie neben Kalzium  auch Vitamin D enthalten. Dies hat einen positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf. Die fettarmen Varianten sind zu bevorzugen, da so tierische gesättigte Fettsäuren reduziert vorhanden sind.

Und wie sieht es mit Fisch in der Ernährung aus?

Pflanzliche Lebensmittel sind tierischen zu bevorzugen sind. Gleichzeitig stellt aber ein regelmäßiger Konsum von Fisch in der Ernährung eine zentrale Bedeutung. Warum?
Weil der Körper bei MS vor allem die Omega-3-Fettsäuren als Entzündungshemmer benötigt. Im Körper werden diese umgewandelt zu Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). DHA ist vor allem im Nervengewebe zu finden, allerdings bei MS-Erkrankten verringert. Sie sind dafür zuständig, dass mehr entzündungshemmende Stoffe im Organismus hergestellt und ausgeschüttet werden.

EPA und DHA aus Omega-3 kann durch pflanzliche Öle und Fette zugeführt werden, damit sich diese in die benötigte Säure umwandeln. Aber ebenso kann EPA und DHA direkt mit der Nahrung zugeführt werden – und zwar mit Fisch wie Lachs, Hering, Makrele.

Um das Entzündungsgeschehen im Organismus positiv zu beeinflussen gilt es daher zwei Prinzipien zu beachten: Die Zufuhr an Arachidonsäure und Linolsäure muss reduziert und jene an Omega-3-Fettsäuren erhöht werden.

Wie sieht die weitere Grundlage der Ernährung aus?

Die Basis der Ernährungsempfehlungen beruht auf Gemüse und Obst. Denn aufgrund der Entzündungsprozesse und den dabei entstehenden freien Radikale, gilt es mit der Ernährung diesen oxidativen Stress zu reduzieren. Die Zufuhr an Mineralstoffen, Vitaminen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen aus Gemüse und Obst -welche bedeutend für die immunologischen Prozesse sind – muss ausreichend gewährleistet sein. Vor allem die bekannten Radikalfänger Vitamin A, Vitamin C und Vitamin E, sowie Mineralstoffe Selen, Kuper und Zink wirken antioxidativ.

„Das hat sich gesalzen“

Eine der neueren Erkenntnisse liegt in der Bedeutung des Salzkonsums bei MS. Dieser ist auf ein Minimum zu reduzieren, weshalb die Ernährungsempfehlungen erst recht auf Gemüse, Obst und frischen, unverarbeiteten Lebensmittel beruht.

Wissenschaftler konnten feststellen, dass MS-Kranke mit hohem Salzkonsum im Durchschnitt mehr Vernarbungen haben und es einen stärkeren Einfluss auf die Krankheitsverschlechterungen gibt.

Volles Korn voraus!

Um den Organismus optimal zu unterstützen bedarf es einen gestärkten Darm. Grund dafür ist, dass der Großteil unseres Immunsystems im Darm sitzt. Wenn man nun bedenkt dass MS eine Autoimmunerkrankung ist erscheint es logisch, dass der Darm eine zentrale Rolle bei der Ernährungstherapie spielt. Ballaststoffe unterstützen unseren Darm und sorgen für eine gute Verdauung. Enthalten in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse sollten täglich Komponenten dieser Produktgruppen verzehrt werden.

Wichtig ist aber dann auch auf eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung zu achten. Mindestens 1,5 bis 2 Liter kalorienfreie Flüssigkeiten werden benötigt, damit die Wasserbindung durch die Ballaststoffe im Darm optimal wirken können.

Aber was bedeutet das jetzt für die Praxis?

  • Grundlage der Ernährung bildet eine pflanzenbetonte Kostform – mehrmals täglich Gemüse, 2x Obst am Tag
  • Mageres Fleisch maximal 2x Woche, verarbeitete Wurstwaren meiden.
  • Hülsenfrüchte eignen sich als ballaststoffreicher eiweißbetonter Fleischersatz
  • Mindestens 2x pro Woche Fisch wie Lachs, Hering
  • Pflanzliche Fette und Öle, welche reich an Omega-3-Fettsäuren sind verwenden. Zum Braten und Backen Rapsöl und für die kalte Küche Leinöl verwenden.
  • Ballaststoffreiche Lebensmittel bevorzugen; Vollkornprodukte und -brote bevorzugen
  • Täglich magere Milch und Milchprodukte verzehren
  • Frische Kräuter statt Salz verwenden

Dies stellt nur einen ersten Überblick der Ernährungsempfehlungen bei MS dar. Außerdem sind – abgesehen von diesen Grundlagen der Ernährung – bei MS auch aufgrund von auftretenden Beschwerden oder Nebenwirkungen der Erkrankung weitere spezielle Ernährungsveränderungen von Nöten.

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Bis dahin gebe ich gerne einen Rezepttipp für die Umsetzung der Ernährungsempfehlungen. Mit diesem einfachem Rezept für eine Gemüsepfanne mit Sesamreis, Lachs und Kräutersauce zauberst du geschmacklich eine Abwechslung auf den Tisch.  Klicke hier für das Rezept und Mahlzeit!

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